Donnerstag, 31. März 2016

Auch eine Erpressung hat was geschäftliches

Irgendwann im Laufe des Tages rappelte ich mich auf. Ich fühlte mich nicht wirklich besser, denn auch wenn ich meinen Nachlass geregelt hatte, verbesserte dies meine Situation nicht. Zum Glück kam mir der Gedanke, im Vorfeld der Auseinandersetzung die Priesterkönige um Schönwetter zu bitten. Beim aus dem Haus gehen, sah ich noch wie Luna im Wohnbereich stand und mit ihrer Tunika kämpfte. Schmunzelnd sah ich ihr einen Moment zu und als ich dann endlich ging und sie mich bat ob sie mitkommen darf, erlaubt ich es ihr.

Merkwürdigerweise traf ich auf dem Dach des Kastenhauses kurz vorm Tempel, auf Sassy, wie immer auch die Kajira dahingekommen war. Kurze Zeit später klärte sich dies jedoch auf, denn es stellte sich heraus, dass Kin sie mit hier hoch geschleppt und dann zurückgelassen hatte. An sich war es mir auch egal, zumindest so lange wie keine der beiden Sklavinnen den Tempel betrat. Nicht dass sie mich stören würden, nein, es waren ihnen einfach nicht erlaubt und das Letzte was ich brauchen könnte, wäre es die Priesterkönige zu erzürnen und sie dadurch mein Gebet nicht erhören.


Wie gesagt, ich hatte die beiden Mädchen eingenordet, und betrat den eigentlichen Tempel um den Priesterkönigen meine Gebete näher zu bringen. Mit erhoben Armen stand ich da und bat sie um Stärke, Zuversicht und Gewandtheit und vor allem um das notwendige Glück um in den Kampf gegen den Tischler bestehen zu können. Denn eins war klar, entschuldigen würde ich mich nicht. Was kann ich dafür wenn sein Fastweib mit der Haarpracht einer Sklavin durch die Stadt läuft. Bin ich ihr Friseur?


Als letztes brachte ich noch ein paar Münzen als Opfer dar. Ich war Händler und die Priesterkönige würden diese Gabe schon als gebührend ansehen, ähnlich als wenn ein Bauer seinen Bosk für sie schlachtet. Als ich ging, stolperte ich über Luna die, unbemerkt von mir, sich neben mich gekniet hatte. Wütend prügelte ich sie aus den Tempel, gut möglich das sie dadurch meine Gebete unnütz gemacht hatte. Sassy die vor dem Tempel stand, fiel vor Schreck auf die Knie als ich mit Zornesröte im Gesicht Luna aus dem Tempel trieb.


So schnell wie ich mich aufgeregt hatte, beruhigte ich mich auch wieder, schnell erhöhte ich noch die Summe in der Opferschale, dann ging ich wieder zu den beiden Sklavinnen. Mittlerweile, als wenn es eine Einflüsterung der Priesterkönige gewesen wäre, hatte ich eine Idee wie ich doch noch aus dem Dilemma herauskomme. Genaugenommen sogar anderthalb! Als Erstes schickte ich die Mädchen weg, sie sollten sich zur Kriegerwiese begeben und dort für zwei Dinge sorgen. Eine sollte sich um den Tischler kümmern, damit er beim Training abgelenkt ist und am besten in sein eigenes Schwert fällt, die Andere sollte dem Hauptmann ausrichten das ich ihn dringend sprechen muss.

Ich selber ging noch einmal in mein Haus, beim Wühlen in meinen Unterlagen, war mir ein interessantes Dokument in die Hände gefallen. Da war es! Ich überflog es noch mal kurz, es war genau das was ich jetzt brauchte, wieder änderte ich mein Testament und fertigte von dem gesuchten Dokument eine Abschrift an, die ich mit in die Unterstadt nahm. Allerdings schien meine Glückssträhne nicht anzuhalten, denn das Training war ausgefallen und der Tischler nicht greifbar, ergo konnte er auch noch nicht in sein Schwert gefallen sein. Aber Kin war hier.


Und seine Gefährtin, und meine Gefährtin und jede Menge Sklavinnen, so dass es noch eine ganze Zeit und jede Menge Palaver brauchte, bis ich Kin endlich in die Taverne verschleppen konnte. Dort war es zum Glück leer, dass wir noch Sklavinnen dabei hatten, störte mich weniger, die werden eh nicht als Zeugen akzeptiert, sollte Kin jetzt mich und meinen Plan auflaufen lassen. Als wir endlich was zu trinken hatten und Kin schon ungeduldig drängelte, stellte ich zunächst ein paar Fragen. Insbesondere ging es mir dabei um den Verbleib von Lucius.

Kin hatte natürlich keine Ahnung was ich von ihm wollte und so machte er nur vage Angaben, was Lucius betraf. Auch meine Frage, ob es nicht endlich an der Zeit wäre ihn für tot zu erklären, beantwortete er nur zögerlich und ausweichend. Ich bohrte noch ein wenig weiter, drohte, notfalls selber dafür zu sorgen, das man Lucius für tot erklärt, doch er ließ sich zu keinen schnellen Entschluss zwingen, weswegen ich ihm das Gladius auf die Brust setzte.

Ob er sich nur deswegen weigere Lucius für tot zu erklären, weil er dann den letzten Willen dieses Kriegers erfüllen müsste, wollte ich von ihm wissen, doch der Hauptmann schien immer noch nicht zu verstehen. Ich wurde ein wenig deutlicher, sagte ihm das er Dina zu Unrecht besitzt, das er im Falle von Lucius seinem Tod er ihr wieder Lucius Kragenumlegen müsste und vor allem Dina in die Hände geben müsse, die laut seinem Testament vorgesehen sind um für Dina zu sorgen.


Kin wusste immer noch nicht was ich von ihm wollte und obwohl ich genau wusste, dass er als Kastenerstes, auch eine Abschrift des Testamentes erhalten hatte, legte ich ihm nun, die vorhin angefertigte Kopie vor. Er musste die Sache mit dem Testament wohl verdrängt haben, denn so ganz wohl fühlte er sich nicht beim Lesen. Ich aber baute weiter Druck auf, als Kin auch in der Folge schwammig blieb und meinte, er könne ja Teddy einen Brief schreiben. Ich aber wollte klare Verhältnisse, entweder, er erfüllt den letzten Willen seines besten Tarnreiters oder ich würde dieses Testament veröffentlichen und ihn damit bloßstellen.

Kin kochte schon innerlich und so langsam glaubte ich, dass ich ihn soweit hatte, wie ich brauchte um ihn einen Vorschlag zu unterbreiten. Er soll mir den Tischler vom Hals halten, sagte ich ihm, dann könnte ich die Sache mit dem Testament vergessen. Überraschend schnell willigte er ein und versprach, sich darum zu kümmern, dass es, sobald die Frist verstrichen ist, es zu keiner Entschuldigung meinerseits kommt. Ich nahm einen Schluck vom Paga und merkte nur noch an, dass es mir egal ist, wie er die Sache regelt, ob der Tischler sich nun mäßigt und sich um seine Sachen kümmert oder er ihn an seinem Sleen verfüttert.


Mehr war in dieser Angelegenheit auch nicht zu besprechen und zu mehr war im Moment auch keine Zeit. Denn ein Fremder hatte die Taverne betreten und suchte ausgerechnet mich, wie sich herausstellte. Der Grund war, man sollte es kaum glauben, dass er Tagita kaufen wollte. Dabei machte er mir ein Angebot welches ich unmöglich ausschlagen konnte. Mit einem Schlag ersetzte er mir dadurch die Verluste aus dem Kalanageschäft, die Ausgaben die ich bei der Suche nach der ehemaligen Händlerin hatte und es blieb sogar mehr als genug übrig um auch noch die bisher aufgelaufenen Kosten abzudecken.

Deshalb zögerte ich auch nicht lange und schlug ein. Geld und Sklavin wechselten den Besitzer und so fand dieser Tag doch noch ein versöhnliches Ende.

GR

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